Die Ausgangslage: Was nach 20 Jahren passiert
Die EEG-Einspeisevergütung gilt für 20 volle Kalenderjahre nach dem Inbetriebnahmejahr. Danach fällt die Anlage nicht ins Nichts: Sie darf weiter einspeisen und erhält als „ausgeförderte Anlage" eine Anschlussvergütung in Höhe des Jahresmarktwerts Solar abzüglich einer Vermarktungskostenpauschale – zuletzt netto rund 4 ct/kWh, nach aktuellem Stand befristet bis Ende 2032.
Zum Vergleich: Wer früh eingespeist hat, bekam 40, 50 Cent und mehr pro Kilowattstunde. Der Absturz auf 4 Cent ist also brutal – aber er ist kein Grund zur Panik, sondern der Startschuss für eine Neubewertung. Denn die Anlage selbst ist abgeschrieben, läuft oft noch ordentlich und produziert Strom, der im eigenen Haus ein Vielfaches wert ist.
Option 1: Einfach weiterlaufen lassen
Der Weiterbetrieb mit Volleinspeisung passiert automatisch – kein Umbau, keine Investition. Bei einer 5-kWp-Anlage mit 4.500 kWh Jahresertrag bedeutet das: rund 180 € Erlös pro Jahr. Das deckt Betriebskosten wie Versicherung und Rücklagen gerade so – verdient wird hier nichts mehr.
Als Dauerlösung überzeugt das selten. Sinnvoll ist der unveränderte Weiterbetrieb vor allem als Überbrückung: wenn die Entscheidung über Umrüstung oder Repowering noch aussteht oder das Dach mittelfristig ohnehin saniert werden muss.
Option 2: Auf Eigenverbrauch umrüsten
Die Umstellung auf Überschusseinspeisung dreht die Logik um: Erst versorgt die Anlage das eigene Haus, nur der Rest geht ins Netz. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom für 30–40 Cent – rund das Zehnfache der Anschlussvergütung. Technisch braucht es dafür wenig: Zweirichtungszähler, angepasstes Messkonzept, Anmeldung – ein überschaubarer Eingriff.
Den großen Hebel liefert der Speicher: Ohne ihn nutzt der Haushalt vielleicht 30 % des Solarstroms selbst, mit passendem Speicher deutlich mehr als das Doppelte. Bei einem Reststrompreis-Niveau von 35 Cent trägt die Kombination aus abgeschriebener Anlage und neuem Speicher die Speicherinvestition in vielen Fällen über die Laufzeit – wie schnell, hängt am Lastprofil. Die technischen Wege dazu stehen im Beitrag „Speicher nachrüsten".
Option 3: Repowering – neu bauen auf bewährtem Dach
Die dritte Option nutzt einen einfachen Fakt: Moderne Module holen aus derselben Dachfläche das Drei- bis Vierfache der Leistung von 2005. Aus der alten 4-kWp-Anlage werden 12–15 kWp – mit neuer Technik, neuer Garantiezeit und wieder 20 Jahren EEG-Vergütung zum aktuellen Satz für die Überschusseinspeisung.
Repowering gewinnt die Rechnung immer dann, wenn ohnehin investiert werden müsste – schwächelnde Module, fälliger Wechselrichter, anstehende Dachsanierung – oder wenn der Strombedarf gewachsen ist: E-Auto und Wärmepumpe verwandeln jede zusätzliche Kilowattstunde vom Dach in vermiedene Netzkosten. Was der Umbau kostet, steht im Ratgeber „Was kostet ein Repowering?"; die Abwägung gegen die kleine Lösung im Beitrag „Repowering vs. Neuanlage".
Unser Fazit
Das EEG-Ende ist kein Ende, sondern eine Weggabelung mit drei Richtungen. Der reine Weiterbetrieb ist die bequemste und schwächste Option. Die Umrüstung auf Eigenverbrauch – meist mit Speicher – ist für die Mehrheit der Haushalte der wirtschaftlichste Weg. Und das Repowering ist die richtige Antwort, wenn Technik oder Dach ohnehin Investitionen fordern oder der Strombedarf des Hauses gewachsen ist.
Wir rechnen alle drei Wege mit Ihren Zahlen durch – Zustand, Lastprofil, Dach und Pläne fürs Haus – und legen die Annahmen offen. Am Ende steht eine Empfehlung, die man nachrechnen kann. Ohne Schönrechnen, ohne Verkaufsdruck.



